Gisela Harupa widmet sich in ihrem künstlerischen Schaffen der textilen Auslegung biblischer Inhalte. Mit den Stoffbildern der Bibel schafft sie vielschichtige Bildwerke aus Stoff, Farbe und Struktur, die zentrale Geschichten und Motive der Heiligen Schrift neu erfahrbar machen. Ihre Arbeiten verbinden handwerkliche Präzision mit symbolischer Tiefe und laden dazu ein, bekannte Bibeltexte aus einer ungewohnten, sinnlichen Perspektive zu betrachten. Durch bewusste Farbwahl, Materialkontraste und abstrahierte Formen entstehen Werke, die nicht illustrieren, sondern deuten. Harupas Stoffbilder eröffnen Räume für persönliche Interpretation, stille Betrachtung und spiritische Auseinandersetzung und schlagen eine Brücke zwischen traditionellem Glauben und zeitgenössischer Kunst.
Über die Stoffbilder
Ihr Leben
Gisela Harupa, geborene Schemensky, wird am 14. Dezember 1919 in Frankfurt am Main als erstes Kind von Johanna Helene Schemensky, geborene Schiele, und Werner Eugen Schemensky geboren. Später arbeitet ihr Vater als Arzt am städtischen Krankenhaus in Küstrin, an dem auch Hensoltshöher Diakonissen tätig sind. Gemeinsam mit einem Bruder und einer Schwester wächst Gisela Harupa in Küstrin auf.
Nach dem Abschluss des Lyzeums im Jahr 1936 besucht sie vor und während des Zweiten Weltkriegs die Meisterschule für Graphik in Berlin. Am 23. September 1942 heiratet sie in Küstrin den Wehrmachtsoffizier Wolf Harupa. Nur wenige Monate später, am 28. Januar 1943, fällt ihr Ehemann im Kessel von Stalingrad.
In den folgenden Jahren arbeitet Gisela Harupa als Krankenschwesternhelferin und betreut Verwundete in Russland. Während dieser Zeit zieht sie sich ein rheumatisches Herzleiden zu, das ihr weiteres Leben nachhaltig prägt. Nach Kriegsende findet die Familie Schemensky-Harupa auf der Hensoltshöhe bei Gunzenhausen ihre erste Zuflucht. Dort arbeitet Gisela Harupa zunächst als Küchenhilfe.
1947 besucht sie die Bibelschule in Stein und ist anschließend in Mütter-Genesungsheimen des Bayerischen Mütterdienstes tätig. Aufgrund ihres Herzleidens wird sie bereits mit 46 Jahren frühverrentet. Eine Herzoperation im Jahr 1965 sowie ein anschließender achtmonatiger Aufenthalt in Israel (1965–1966) markieren weitere wichtige Stationen ihres Lebens.
Nach dem Eintritt in den Ruhestand zieht sie nach Ansbach. Dort beginnt sie Ende der 1960er-Jahre mit der Gestaltung ihrer Stoffklebebilder zu biblischen Szenen. Diese künstlerische Arbeit übt sie bis wenige Tage vor ihrem Tod aus. Gisela Harupa verstirbt am 28. August 1989 in der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg. Ihre letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Stadtfriedhof in Ansbach.
Ihr Werk
Über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren (1966–1989) ist Gisela Harupa künstlerisch tätig. In dieser Zeit entstehen rund 2.500 Stoffklebebilder mit biblischen Motiven. Viele Bildthemen setzt sie in unterschiedlichen Farbkombinationen um, entwickelt Motive weiter oder gestaltet sie neu.
Ihre Werke finden eine große Verbreitung und vielfältige Verwendung. Sie schmücken Kirchen und Gemeinderäume – so sind beispielsweise zwölf ihrer Bilder in der Friedenskirche in Ansbach zu sehen. Darüber hinaus werden ihre Motive in Religionsbüchern und Arbeitshilfen für den Religionsunterricht verwendet. Seit den 1980er-Jahren dienen ihre Bilder als Vorlagen für Adventstransparente, die vom Amt für Gemeindedienst der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern herausgegeben werden.
Ab 1976 gestaltet Gisela Harupa Bildentwürfe für Arbeitsmappen in der Behindertenarbeit, jeweils mit vier Bildern zu einem Thema. Diese sowie die seit 1983 jährlich erscheinenden Postkartenkalender mit ihren Motiven werden von den Gustav Wernerschen Anstalten in Reutlingen (heute Bruderhausdiakonie) veröffentlicht. Im Jahr 1984 entwirft sie außerdem das Plakat und die Verteilkarten für den Weltgebetstag unter dem Motto „Hoffnung in Christus – Quelle des Lebens“.
Die Meditationstexte
Jedem ihrer Bilder legt Gisela Harupa einen meditativen Text bei. Dieser soll dem Betrachtenden eine Seh- und Verstehhilfe sein – damit man „von dem Bild auch etwas hat“. Die Meditationstexte sind das Ergebnis eines langen inneren und geistlichen Weges.
Oft beginnen sie mit Notizen und Skizzen während krankheitsbedingter Krankenhausaufenthalte. Es folgen intensives Bibelstudium, vertiefende theologische Lektüre sowie der Austausch im Hauskreis. Erst danach entsteht das Stoffbild zu einem biblischen Vers oder einer Geschichte. Gisela Harupa selbst sagt:
„Ich kann eine Szene erst gestalten, wenn ich ein oder zwei Bibelarbeiten zum Text gehört oder selbst gehalten habe.“
So werden ihre Bilder zu theologisch verantworteten Bildpredigten. In den begleitenden Texten erläutert sie sowohl die inhaltliche Aussage als auch die gestalterischen Besonderheiten. Manche Bildmotive gestaltet sie mehrfach, wobei sie mit Farbgebung und Bildaufbau experimentiert. Daher deckt sich die Beschreibung nicht immer in allen Details, wohl aber in der Grundaussage mit dem jeweiligen Stoffbild.
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Von den etwa 2.500 Stoffbildern, die Gisela Harupa geschaffen hat, konnten trotz intensiver Nachforschungen bislang nur rund 300 Originale ausfindig gemacht werden. Es ist zu befürchten, dass viele ihrer Werke verschollen sind oder vernichtet wurden.
Der Verein Bibelwelten hat es sich zur Aufgabe gemacht, das künstlerische und geistliche Werk von Gisela Harupa zu dokumentieren und zu bewahren. Dafür benötigen wir Ihre Unterstützung. Wenn Sie wissen, wo sich Originale, Meditationstexte oder persönliche Gegenstände von Gisela Harupa befinden, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.
Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe!




